Es hat sich gelohnt

Wenn Du kämpfst, Monat für Monat, Stunde um Stunde. Immer wieder strampelst, Dich am Schopf packst, wie der Mann im Moor – scheinbar sinnlos, und doch ist da die Kraft, die Dir immer wieder zuflüstert: Du schaffst es, es wird sich lohnen, bleib dran. Bleib tapfer, zieh die Scheiße durch, es ist irgendwann vorbei. Dann wirst Du glücklicher sein, glücklich sein. Dein Leben finden, den Sinn sehen, der Dir in der schlimmen Zeit verloren gegangen ist.

Und Du warst nicht alleine, Dein Mann stand Dir bei, es gab mehr schlechte als gute Zeiten, und dennoch ist er bei Dir geblieben, hat Dir Mut zugesprochen, hat Dir versprochen, dass es sich lohnt. Du konntest es nicht glauben, aber in seinen blauen Augen hast Du es sehen können: dass es sich lohnt.

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Nachtschwärmer

Es ist mild, es ist dunkel, die Luft vibriert. Die üblichen Mainzer Südstadt-Vögel, die am Wochenende aus den Winzerdörfern in die große Stadt strömen.

Es ist Frühling. Der Winter ist vorbei, draußen wie drinnen, außen wie innen.

Eine Welle des Wohlgefühls steigt in dir auf, ebbt ab, lässt dich in einen erschöpften Schlaf fallen. Am nächsten Morgen spürst du die Welle wieder, grell, klar, frisch, und die Energie bringt dich fast zum Platzen.

Pass auf, dass dich die Welle nicht überrollt. Aber, unter uns: du hast sie dir verdient.

[Ein bisschen fühlt es sich an wie bei Frau Fragmente. Die sorgenvolle Frage - wie lange das wohl anhält? Fallhöhe etc.]

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Frei sein

Wir haben heute “ausgeschlafen” – das bedeutet bei Monsieur, dass wir länger als 9.15 Uhr (seine zuverlässige Aufwachzeit am Wochenende)  im Bett lagen, und so trafen wir erst gegen 12 Uhr auf dem Marktfrühstück ein, wo seine Freunde schon mit dem ein oder anderen Weingläschen intus auf uns warteten. So ein Schörlchen auf leeren Magen, ich sags Euch, das fetzt! Dazu brezelte die Sonne auf uns herab, als hätte sie nie etwas anderes getan in den letzten Monaten, und wir setzten uns gegen Nachmittag an den Rhein, hielten unsere winterfahlen Gesichter ins warme Licht. Boaaaah, war das schön!

Kurz bevor wir zu einer kleinen Siesta aufbrechen wollten, erzählte ich noch ein bisschen von meinem überstürzten Weggang aus meiner Heimat vor inzwischen sieben Jahren.

Sieben Jahre, das ist ganz schön lang, aber es kommt mir manchmal immer noch so vor, als sei es gestern gewesen, und der Schmerz, der mich damals in die Knie zwang, kehrt in solchen Momenten wieder zurück. Allerdings wird er schwächer, es ist heute eher ein dumpfes Pochen, eine tiefe, trockene Trauer über eine Sache, die zu bewältigen wir einfach zu jung und belastet waren. Wir mussten erwachsen werden, wachsen, Dinge selbst in die Hand nehmen, herausfinden, wer wir sind und was wir brauchen. Heraus aus der Abhängigkeit … ob das ein Zeitgeist-Phänomen ist, dieses Streben nach Eigenständigkeit, nach Individualität?

Nachdem ich ihm von dieser schlimmsten Zeit meines Lebens erzählt hatte – meinem unbedingten Drang, mich dem echten Leben zu stellen, sagte er: Für so etwas braucht man großen Mut.

Ich und Mut? In dieser Lebenslage? Eine völlig neue, ganz andere Sichtweise, wir nehmen uns in den Arm und gehen heim. Die Sonne strahlt mir unverschämt fett ins Gesicht und sagt: Kapierst Du es endlich, liebe Anna?

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Zusammen und doch allein

Loneliness does not come from having no people around one, but from being unable to communicate the things that seem important to oneself, or from holding certain views which others find inadmissible.

Ich möchte später mehr zu diesem Thema schreiben. Momentan aber halte ich eine Bildschirm-Diät. Mein Laptop, mit dem ich sonst gerne auf dem Sofa abhänge, ist seit Tagen aus. Die PCs zuhause und in der Arbeit werden nur zum Arbeiten (aha!) genutzt. Der Fernseher schaut mich mit seinem matt-schwarzen Bildschirm mahnend an und sagt “schalt mich ein, ich bin neu!”.

Aber die Schreckensbilder aus Japan, wie sie ohne Unterlass via TV und Internet auf uns hineinprasseln, sind nichts für meine sensible Seele. Die Wut, die Verzweiflung, die Trauer, das Fehlen der Worte überrollen und begraben mich unter sich wie ein schrecklicher Tsunami.

Zeitung und Radio sind momentan meine einzigen Infoquellen.

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Samstag Abend

Eine  Bar. Grünes Licht. Gute Musik. Freunde.

- Du willst immer noch weg?

- Ja, ich habe immer noch den Drang dazu. Etwas neues, anderes.

- *verständndnislose Blicke*

ob ich ihn irgendwann bereuen  werde – den Drang, fortzugehen? Sollte ich nicht eher zufrieden sein mit dem, wie es ist?

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Wetterumschwung

Während der einsamen Stunden am Schreibtisch haben sich dunkle Gedanken breitgemacht. Wie fette Maden haben sie sich eingenistet, unverrückbar in meinem Kopf.

Man verlässt das Haus mit einem unangenehmen Ziehen im Magen, und fragt sich, ob es überhaupt Sinn macht, das so dunkel umwölkte Hirn nach Draußen  zu tragen.

Und es kommt alles anders, wie so oft. Zuerst ist es das gute Essen, es schmeckt in Gesellschaft gleich viel besser. Dann die freundschaftlichen Blicke, der Wein. Und plötzlich kommt die Sonne wieder heraus. Die dicken Wolken verziehen sich und der Himmel wird klar.

Als ich nach Hause gehe, habe ich ein breites Lächeln im Gesicht.

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Auch Willy würde am 27. März Grün wählen

Ex-Kanzler Willy Brandt würde sich heute für die Grünen entscheiden - da ist sich Daniel Köbler, Grüner Spitzenkandidat für den rheinland-pfälzischen Landtag, sicher. Auf dem politischen Aschermittwoch im Mainzer Kulturclub Schon Schön ergriff der charismatische 30-Jährige zuerst das Wort, und arbeitete in seiner Kampfesrede die großen Themen der Partei ab: Bündnis 90/Die Grünen seien “das Original” in Sachen Bildung, Energie und Nachhaltigkeit, “bunt und gerecht” sei die Grüne Zukunft und man müsse, ganz im Sinne des Altbundeskanzlers, “mehr Demokratie wagen”. Außerdem gelte es, die Kraft der Sonne zu tanken, statt weiterhin dem “Atomhochrisikomonopol” Folge zu leisten.

Damit lieferte der Redner Köbler nichts Neues. Seine Argumente waren überzeugend, dennoch sprang der Funke nicht so recht rüber – vielleicht klangen seine Worte zu geschliffen, zu sehr nach Werbeprospekt? Dennoch schaffte er es, natürlich nicht ohne einige deutliche Hinweise auf das Versagen der SPD-Regierung (“Schluss mit den Rheinland-Pfalz-Airlines!”), seiner Parteifreundin Claudia Roth einen angenehmen Stimmungsteppich zu bereiten.

Gute 90 Minuten dauerte die anschließende Brandrede der Grünen-Vorsitzenden, die von Minute zu Minute leidenschaftlicher wurde. Sie stieg mit dem Konsens-Thema Mainz05 und dessen Tabellenplatz “vor den Bayern” ein, und hatte damit das Publikum sofort auf ihrer Seite. Schnell ging sie dann zum Angriff auf den politischen Gegner über: Desaströs bzw. gar nicht vorhanden sei die Frauen- und Familienpolitik der “prä-historischen Anti-Frauen-Ministerin” Kristina Schröder. Diese habe bisher lediglich sinnfreie Beiträge zur Feminismus-Debatte hervorgebracht, anstatt etwas gegen die “eklatant geringere Bezahlung von Frauen” zu tun. Die weibliche Benachteiligung im Berufsleben sei einer der größten sozialen Missstände im Land, so Roth weiter. Dieser werde nur noch durch das schwarz-gelbe Nein zum gesetzlichen Mindestlohn getoppt; Geringverdiener und Hartz IV-Bezieher würden von der Regierung geradezu verhöhnt.

Einen “totalen Wertekollaps” attestierte Roth den Unionsparteien, die ihren Wahlkampf auf den Schultern von Migranten austrügen. Es seien keinesfalls die Einwanderer, die ein Integrationsproblem haben, sondern allenfalls die Unionspolitiker selbst: Sie sind nach Ansicht der Bundesvorsitzenden nicht integriert in die Gesellschaft des Jahres 2011.

Die Bundesvorsitzende lieferte in ihrer Rede einen wahrhaften Rundumschlag: Sie rauschte von landes- und bundespolitischen Streitfragen nahtlos weiter zur Außenpolitik (Flugverbotszone über Libyen? Roth ist dagegen), und vergaß neben dem üblichen Beck-Bashing auch nicht, die Themenfelder Umwelt- und Klimafreundlichkeit ausgiebig abzuhandeln (Gentechnik? Die Hybris, mit der sich der Mensch die Natur zu eigen macht, sei kaum auszuhalten!).

Die gebürtige Bayerin Claudia Roth hat die Fastnachtstage (mit kleinen Ausnahmen) komplett in Mainz verbracht – und an den hiesigen Gepflogenheiten sichtlich Freude gefunden. Das dreifache “Helau” ging ihr beim anschließenden Auftritt der “Drecksäck” ebenso leicht von den Lippen wie “Wolle mer se reinlasse?”. Ohne mit der Wimper zu zucken, setzte sich die Roth einen Ring Fleischwoscht auf den Kopf, ließ sich einen riesigen Fastnachtsorden umhängen und lachte sich kaputt, als ihre Frisur von den Drecksäck auf die Schippe genommen wurde (“Pumukl, darf ich dein Meister Eder sein?”).

Keine Frage, Claudia Roth weiß um die Kunst der Inszenierung. Sie trug durch ihre starke Präsenz und ihre leidenschaftliche Rhetorik maßgeblich zum Gelingen des kurzweiligen Abends bei. Fast drei Stunden waren Stefan und ich heute bei den Grünen im Schon Schön und fühlten uns gut unterhalten.

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